Starnberg knackt Bestmarke: Landkreis mit den meisten Naturgärten in ganz Bayern

Der Kreisverband für Gartenbau verleiht der Familie von Voithenberg in Berg den offiziellen Titel „Naturgarten". Im Landkreis Starnberg gibt es mittlerweile 118 solcher zertifizierter Gärten – die meisten in ganz Bayern
Berg – „Schaut mal, die Amseln schlüpfen gerade“, ruft Renate Mühlstraßer und zeigt auf den Birnbaum, der direkt an ihrer Hauswand wächst. „Tatsächlich, man erkennt, wie die Schnäbel aus dem Nest schauen“, freut sich Britta von Voithenberg. Tiere im Garten von Familie von Voithenberg sind keine Seltenheit, durch die neu geschlüpften Vögel werden es in nächster Zeit sogar noch ein paar mehr. Im Garten der Familie in Berg wimmelt es nur so von Insekten, Eichhörnchen, Schmetterlingen und Vögeln. „Ein paar Igel haben wir auch“, erzählt Erdmute von Voithenberg, die Mutter von Britta. Die Vielzahl an Tieren ist kein Zufall. Denn der Garten der Familie Voithenberg ist ein „Naturgarten“, der sich künftig auch offiziell so nennen darf – den Titel bekam die Familie vom Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Starnberg verliehen.
Bayernweit die meisten Naturgärten
Bayernweit gibt es im Landkreis Starnberg die meisten zertifizierten Naturgärten. Seit 2020 wurden 118 Gärten ausgezeichnet, 21 und damit die meisten davon aus der Gemeinde Herrsching. Knapp dahinter auf Platz zwei liegen Pöcking und Starnberg mit 13 zertifizierten Gärten, dritter ist Gauting mit elf. Für das Jahr 2026 haben sich bereits sechs Gartenbesitzer für eine Zertifizierung angemeldet.
Wer einen Naturgarten aufbauen möchte, sucht sich am besten Hilfe von Experten. „Es gibt Unmengen an Literatur, vieles steht auch im Internet“, sagt Oberhofer. Der Kreisverband Starnberg helfe beim Aufbau eines naturfreundlichen Gartens mit Tipps und Tricks. Alternativ könne man sich in einer Gärtnerei beraten lassen oder einen spezialisierten Gartenbauer engagieren.
Die Kriterien zur Vergabe der offiziellen „Naturgarten-Plakette“ und weitere Informationen finden Interessierte unter www.kv-gartenbau-sta.de.
„Der Garten ist sehr biodivers“, sagt Christiane Schega vom Kreisverband Starnberg. „Wenn jeder Grundstücksbesitzer in Deutschland einen ähnlichen Garten hätte, würde das der Natur sehr viel helfen“, findet ihre Kollegin Andrea Oberhofer. Die beiden sind Prüfer vom Kreisverband, besuchen regelmäßig Gärten in der Umgebung – und vergeben heute den offiziellen Titel des „Naturgartens“ an die Familie Voithenberg.
Seit 2020 vergibt der Verband Plaketten und Urkunden an Gärten, die besonders naturfreundlich gestaltet sind. Mittlerweile gibt es 118 zertifizierte Natur-Oasen im Landkreis – die meisten bayernweit. „Jährlich kommen zehn bis 15 Gärten dazu“, erklärt Oberhofer.
Wesentlich für eine naturnahe Gestaltung sei der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel jeder Art. Auch chemische Dünger, der Einsatz von Torf oder eine zu einseitige Bepflanzung seien Ausschlusskriterien. „Ideal sind Gärten mit vielen verschiedenen unberührten Pflanzen und Sträuchern“, sagt Oberhofer. Auch Totholzlager für Igel und Käfer oder Mauerstücke, in denen sich beispielsweise Eidechsen verstecken, sind gern gesehen.
Biodiversität pur im Garten
Der Garten der Familie von Voithenberg bietet all das – und noch etwas mehr. Neben einer Kieszufahrt, die zu den zwei Häusern auf dem Grundstück führt – in einem wohnt Mieterin Mühlstraßer, im anderen die Familie von Voithenberg –, streckt sich eine weitläufige Wiese. Es wimmelt von Habichtskraut, Margeriten und Zittergräsern. Apfel- und Birnbäume säumen den Garten, eine große, mehrstämmige Buche steht mittendrin. Eigene Beete sind mit speziell für Schmetterlinge oder Fledermäuse gedachten Pflanzen bestückt. Eine Zisterne, Marke Eigenbau von Constantin von Schirnding, sitzt unter dem Grundstück und fasst bis zu 6000 Liter Wasser.
„Wir haben einen echten Wiesenwald“, sagt Erdmute von Voithenberg und lacht. 1955 kaufte ihr mittlerweile verstorbener Vater das Grundstück in Berg. Wenig später erwarb er noch einen danebenliegenden Acker, auf dem heute das weitläufige Naturparadies sitzt. „Wir pflegen den Garten seit über 30 Jahren, haben ihn aber größtenteils sich selbst überlassen“, sagt Erdmute von Voithenberg. „Wir sind froh, dass wir so viel Platz haben.“
Ihr verstorbener Ehemann war Landschaftsbauer. „Er kannte jede Pflanze, jeden Baum und jeden Vogel“, sagt sie. Die Begeisterung fürs Gärtnern liegt also in der Familie – und wird von Tochter Britta von Voithenberg weitergeführt. „An sich ist der Garten pflegeleicht, weil er naturnah ist“, sagt sie und schmunzelt. Ganz richtig ist das schließlich nicht. Zwar muss Familie von Voithenberg nicht mit Pestiziden und Dünger um exotische Blumen kämpfen oder regelmäßig die Hecke schneiden, genug Arbeit bleibt trotzdem.
Naturgarten aufwendig zu pflegen
Regelmäßig fährt ein Familienmitglied den überbleibenden Kompost weg. Die Bäume im Garten müssen zurechtgestutzt werden. Wenn Pflanzen absterben, muss Ersatz her. Aus den vielen Äpfeln, die die Bäume abwerfen, wird Apfelsaft gemacht. „Letztes Jahr waren es knapp 150 Liter“, erzählt Mühlstraßer.
Die Checkliste, mit der Oberhofer und Schega angereist sind, ist abgearbeitet. In fast allen Punkten konnte der Garten der Familie von Voithenberg überzeugen. Die Zertifizierung ist sicher, im Oktober dieses Jahres werden die von Voithenbergs im Landratsamt eine Urkunde und eine rautenförmige Plakette erhalten.
Die Familie freut sich auf ihre Auszeichnung zum Naturgarten. „Für den Außenstehenden sieht der Garten etwas wild aus“, sagt Britta von Voithenberg. Tatsächlich ist die scheinbare Unordnung aber gewollt. „Wild“ ist gleichzeitig naturbelassen, und absterbende Pflanzen und Bäume werden bewusst stehen gelassen, um Raum für Tiere zu bieten. Mit der Plakette, die sich die Familie bald an ihr Eingangstor montieren darf, ist das bald auch für Passanten zu sehen.
Und wie geht es weiter? „Wir wollen unseren Garten erhalten, wie er ist“, sagt Britta von Voithenberg. In Zukunft möchte die Familie noch ein Sandarium für Bienen anlegen. „Wir haben uns auch schon als vogelfreundlichen Garten beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz angemeldet“, erzählt sie. Wann ein Prüferteam des LBV zu Gast ist, ist noch offen. Ebenso, ob die geschlüpften Amseln dann noch durch den Garten huschen oder bereits weitergezogen sind.
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https://sz.de/lux.DwS1t5sVWx3MB8k4e8wran
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2019
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Lehrfahrt nach München; Besichtigung des Umweltgartens Neubiberg, Staudengärtnerei, Gemüsebaubetrieb und private Gärten
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